Kinderschutz

Was ist unter Kinderschutz zu verstehen?

Hauptsächlich denken wir an Misshandlungen von Kindern, wenn wir von Kinderschutz reden. Dies ist zwar ein sehr wichtiger Aspekt, erfasst aber nur einen Teil der Bereiche, in denen Kinder geschützt werden müssen.

Unter Kinderschutz versteht man rechtliche Regelungen, staatliche und private Maßnahmenn, die dem Schutz von Kindern vor Beeinträchtigungen dienen sollen. Also Schutz vor altersunangemessener Behandlung, Übergriffen und Ausbeutung, Verwahrlosung, Krankheit und Armut.

Der Jugendschutz ist lediglich eine Unterkategorie des Kinderschutzes.

Die Kinderrechtskonvention der UN wurde 1989 verabschiedet. Deutschland ratifizierte dieses Übereinkommen jedoch nur unter dem Vorbehalt, dass bestehender Einschränkungen der Kinderrechte durch das Familien- und Ausländerrecht unangetastet bleiben.

Der Kinderschutz muss umfassend sein - und schon vor der Geburt beginnen. Der UNIFEM (United Nations Development Fund for Women) gibt an, dass weltweit etwa ein Drittel aller Schwangerschaften ungeplant sind. Etwa ein Viertel aller schwangeren Frauen entscheiden sich zu einem Schwangerschaftsabbruch. Die Mitteln zur Empfängnisverhütung und eine verbesserte sexuellen Aufklärung helfen mit, den Anteil der abgebrochenen Schwangerschaften zu senken.

Einnahme von Medikamenten, Alkoholkonsum und Rauchen während der Schwangerschaft sind hohe Risiken, die zu Gesundheitsschäden oder Missbildungen beim Kind führen können.

Ungewollte Kinder werden - in Deutschland zum Glück sehr selten - Opfer von Tötung oder Aussetzung. Sogenannte Babyklappen sind Erste-Hilfe-Stellen für den letzteren Fall.

Ein sehr hohes Risiko für Kinder birgt der Straßenverkehr. Unfälle sind in Industrieländern die häufigste Todesursache bei Kindern, von denen die Hälfte Verkehrsunfälle sind. Der Ansatz zum Schutz der Kinder muss hier sein: Verkehrserziehung, Verkehrsbeschränkungen wie Spielstraßen, Tempo-30-Zonen, Sicherungspflichten im Auto durch nach Alter abgestufte Kindersitze und das Tragen von Fahrradhelmen.

In Deutschland haben die guten hygienischen Bedingungen und die gute medizinische Versorgung dafür gesorgt, dass Infektionskrankheiten nur noch vereinzelt zum Tod eines Kindes führen. Im Gegenteil kann übertriebene Hygiene Allergien hervorrufen. Viele Kinder leiden jedoch an angeborenen Krankheiten, etwa Krebs oder Herzfehlern.

Hervorzuheben ist die Gefahr der Sonnenbrände, die das Risiko an Hautkrebs zu erkanken bei Kindern stark erhöhen. Die Gefahr wird oft unterschätzt. Im Zuge der Veränderung der Erdatmosphäre wächst die Gefahr auch in Deutschland.
Eine weitere Gefahr sind Übergewicht und Bewegungsmangel, ungesunde Ernährungs- und Lebensweisen.
Das Passivrauchen bei rauchenden Eltern darf nicht unterschätzt werden. Es ist Hauptursache für Pseudokrupp und wahrscheinlich auch Mitursache des plötzlichen Kindstods.
Kindesmisshandlung und sexueller Missbrauch stehen mit Alkoholismus in engem Zusammenhang. Er ist eine ihrer Ursachen. Die Folgen sind psychische Schäden. Hierbei spielt sexueller Missbrauch zahlenmäßig eher eine untergeordnete Rolle. Misshandlung, Vernachlässigung und ungünstige Familienumstände stehen im Vordergrund.

Tötungsdelikte an Kindern sind in Deutschland glücklicherweise selten. In zwei Drittel der Fälle ist ein Elternteil Täter, Mütter und Väter zu gleicher Häufigkeit.

Zu einem Selbstmord oder Selbstmordversuch kommt es häufig bei Jugendlichen. Dabei steigt die Suizid-rate bei Kindern über 14 Jahren stark an. Als Ursachen sind bekannt:

  • Zurücksetzen oder Vernachlässigung des Kindes
  • Misstrauen
  • ständige Kritik
  • angstfördernde Erziehung
  • zu hohe Leistungserwartung
  • gestörte Familienverhältnisse.

Konkrete Auslöser sind oft traumatische Erlebnisse, Liebeskummer, Nachahmungen.

Kindesmisshandlung ist ein Kernpunkt des Kinderschutzes

Viele Organisationen haben sich diesen Teil des Kinderschutzes in ihre Satzung geschrieben.
Der Kinderschutzbund und die Kinderschutzzentren setzen die Handlungspriorität Hilfe vor die Strafe. Denn die meisten Fälle von Gewalt in der Erziehung haben als Ursache eine Überforderung der Eltern.

Wenn Eltern an Kinderschutz denken, denken sie oft an den Schutz vor sexuellem Missbrauch ihres Kindes.
Eine der wichtigsten Vorbedingungen für die Prävention von Kindesmissbrauch ist ein ausgeglichenes Familienklima, das für Selbstbewusstsein und emotionale Eigenständigkeit sorgt. Das Ermutigen zu einem gesunden Selbstvertrauen hilft Kindern, eigene Belange besser wahrzunehmen. Dadurch wird die Chance erhöht, dass ungute oder quälende Gefühle im Ernstfall vom Kind eher verbalisiert werden und dann auch vom Kind Abgrenzungshandlungen vorgenommen werden.
Eltern sollten sich ferner bemühen, sich über ihr Verhalten, was ihre Beziehung betrifft und ihr sexuelles Verhalten klarer zu werden. Kinder spüren, bei welchen Themen Eltern sich unwohl und unsicher fühlen. Sie schließen sie dann möglicherweise als Ansprechpartner aus.

Nach dem bekannten Finkelhors Modell des sexuellen Missbrauchs von Kindern aus dem Jahr 1984 müssen vier Vorbedingungen für einen Kindesmissbrauch gegeben sein:

  • Der Täter muss motiviert sein ein Kind zu missbrauchen.
  • Der Täter muss innere Hindernisse überwinden.
  • Der Täter muss äußere Hindernisse überwinden.
  • Der Täter muss den Widerstand des Kindes überwinden.

Anders ausgedrückt hat das Krivacska 1989: Eine Tat kommt nicht zustande, wenn die Motivation des Täters zu klein ist im Vergleich zu den Hindernissen.

In der Schule sollen Kinder aufgeklären und ermutigt werden, Missbrauchsfälle zu melden.
Potentielle Täter werden durch die Veröffentlichung dieser Maßnahmen abgeschreckt - sie bewerten ihr Entdeckungsrisiko höher.
Aufklärungsveranstaltungen für Eltern über mögliche Folgen von Missbrauch erhöhen bei anwesenden potentiellen Tätern ebenfalls die innere Hemmschwelle.
Anzeigekampagnen, die an potentielle Täter gerichtet sind, sollen die Gefahren herausstellen und potentiellen Tätern nahelegen, vertrauliche therapeutische Hilfe in Anspruch zu nehmen.
Potentielle Täter sollten nicht mit Kindern alleine sein können - es sollte also für äußere Hindernisse gesorgt sein: Gebäude, in denen Kinder untergebracht sind, sollten nicht über fensterlose und von innen abschließbare Zimmer verfügen. Weiter sollten organisatorische Vorschriften in bestimmten Situationen die Anwesenheit eines weiteren Erwachsenen sicherstellen.

Programme und überhaupt alle Maßnahmen, die das Selbstbewusstsein und die Selbstsicherheit von Kindern erhöhen, erhöhen ihre emotionale Stabilität. Sie fallen, wie schon oben angedeutet, seltener einem sexuellen Missbrauch zum Opfer.

Programme zum schnellen Erkennen von Missbrauch, sog. sekundäre Präventionen, dienen dazu, Kinder in die Lage zu versetzen, Missbrauchssituationen zu erkennen, zu stoppen und zu melden. Und Kinder, die bereits sexuell missbraucht worden sind, sollen dazu geführt werden, dies zu berichten. Es gibt jedoch Studien die Kritik an der Wirksamkeit solcher Programme üben.

Tertiäre Prävention soll vermeiden, dass missbrauchte Kinder ihrerseits zu missbrauchenden Erwachsenen heranwachsen. Oft sind die Täter von heute die Opfer von gestern.