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Geburtstage

*dorothee*

unregistriert

1

Dienstag, 5. Oktober 2010, 08:20

Wohltätigkeit oder Pflicht?

Zum Thema Lidl und die Tafeln

Zitat

Ich habe heute 50 Cent gespendet und fühle mich als Wohltäter. Aber ist dieses Gefühl tatsächlich gerechtfertigt? Ich habe einen alten Text des umstrittenen Philosophen Peter Singer* gefunden, der Zweifel an meiner Wohltätigkeit aufkeimen lässt. Die nachfolgende Argumentation orientiert sich an besagtem Text.

Beginnen wir mit der Annahme, das Nahrungsmittelmangel, Obdachlosigkeit und alle daraus resultierenden Konsequenzen etwas Schlechtes sind. Ich denke, diese Annahme ist konsensfähig und muss nicht weiter begründet werden.

Weiterhin möchte ich behaupten, dass es moralisch geboten ist, etwas Schlechtes zu verhindern, wenn dies in unserer Macht steht, ohne dass wir etwas von vergleichbarer moralischer Bedeutung opfern müssen. Zur Illustration bemüht Singer folgendes Beispiel:

„Wenn ich an einem seichten Teich vorbeikomme und ein Kind darin ertrinken sehe, so sollte ich hineinwaten und das Kind herausziehen. Das bringt zwar mit sich, dass meine Kleider schmutzig und nass werden, aber das ist bedeutungslos, wohingegen der Tod des Kindes vermutlich etwas sehr Schlechtes wäre.“

Aspekte der Nähe und Distanz spielen für diese These keine Rolle.

Wenn wir irgendein Prinzip der Unparteilichkeit, Universalisierung, Gleichheit oder dergleichen akzeptieren, können wir einen Menschen nicht benachteiligen, nur weil er sich weit weg von uns befindet (oder wir uns weit weg von ihm).

Auch die Tatsache, dass es Millionen anderer Menschen gibt, die helfen könnten, ist hier nicht von Bedeutung.

Sollte ich etwa der Meinung sein, dass ich weniger dazu verpflichtet bin, das ertrinkende Kind aus dem Teich zu ziehen, wenn ich andere Menschen sehe, nicht weiter entfernt als ich, die das Kind ebenfalls bemerkt haben und keine Anstalten machen einzugreifen?

Ich denke, diese beiden Annahmen lassen sich auch auf die Spendenkampagne vom Bundesverband Deutscher Tafeln e.V. und Lidl übertragen. Die von den Tafeln gespendeten Lebensmittel sollen etwas Schlechtes verhindern und ich kann mit meiner Pfandspende dazu beitragen, ohne etwas von vergleichbarer moralischer Bedeutung zu opfern.

Folgt man dieser Argumentation, wird klar, dass ich kein Wohltäter bin. „Die traditionelle Unterscheidung zwischen Pflicht und Wohltätigkeit kann nicht gemacht werden oder zumindest nicht so, wie wir sie normalerweise machen“, denn wo bleibt meine Pflicht?

Meine Spende ist in diesem Sinne weder wohltätig noch großzügig. Es ist schlicht und einfach meine Pflicht und es wäre moralisch falsch es nicht zu tun. by Daniel Drungels

*Singer, Peter: Hunger, Wohlstand und Moral. In: Bleisch, Barbara/ Schaber, Peter (Hrsg.): Weltarmut und Ethik. Mentis Verlag. Paderborn. 2007. S.37-53.


ich finde den Text bedenkenswert und bin der Meinung, dass die dort beschriebene Intention, Hilfe zu leisten, ein ziemlich guter Ansatz ist. Auch und gerade ganz unabhängig von den Lidl-Kampagnen.
Auch wenn ich persönlich der Meinung bin, dass Lidl solche Kampagnen macht, um das ziemlich schlechte Image nach den Personalskandalen wieder aufzupolieren, so kann ich es dennoch positiv sehen - damit wird immerhin Vielen die Möglichkeit geboten, einen kleinen Teil beizutragen und schnell und unbürokratisch zu helfen. Es wäre schön, wenn diese Möglichkeit zahlreich genutzt würde - und das mit der Selbstverständlichkeit, die oben im Text beschrieben wird.

lg, doro

Kerstin

unregistriert

2

Dienstag, 5. Oktober 2010, 09:03

Ja, sehr schöner Textausschnitt Dorothee!
Ich habe das Buch auch gelesen.

Für mich ist das Helfen, Teilen und Abgeben von jeher eine Selbstverständlichkeit, ich sehe es nicht mal als Pflicht, sondern ich tue es so gut ich kann.

Lg Kerstin

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3

Dienstag, 5. Oktober 2010, 13:07

Zitat

Auch wenn ich persönlich der Meinung bin, dass Lidl solche Kampagnen macht, um das ziemlich schlechte Image nach den Personalskandalen wieder aufzupolieren, so kann ich es dennoch positiv sehen - damit wird immerhin Vielen die Möglichkeit geboten, einen kleinen Teil beizutragen und schnell und unbürokratisch zu helfen. Es wäre schön, wenn diese Möglichkeit zahlreich genutzt würde - und das mit der Selbstverständlichkeit, die oben im Text beschrieben wird.


Wie wahr!!!!

Ich stimme Kerstin vollends zu. Auch wenn ich nicht so viel habe, wenn ich sehe, das es Jemanden, egal wem... schlechter geht als mir und ich KANN helfen, dann tue ich das auch, OHNE WENN und ABER!!!

LG Phoenix :andreah

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4

Dienstag, 5. Oktober 2010, 13:09

Danke für den Text und Denkanstoß Doro! :love:

Mist... irgendwie kann ich hier nicht zitieren. Oben über das für Kerstin sollte eigentlich Zitat von Doro stehen.. :S

LG Phoenix :andreah

BellA

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5

Dienstag, 5. Oktober 2010, 13:12

Das Wort "Pflicht" missfällt mir im Zusammenhang mit Spenden. "Selbstverständlichkeit" halte ich für weitaus passender.

Sollte ich gezwungen sein zu spenden, widerstrebt mir dies, und ich weigere mich. Aber vielleicht verstehe ich unter "Pflicht" auch etwas anderes als der Autor.

LG BellA

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6

Dienstag, 5. Oktober 2010, 13:23

Hi Bella. :)
Selbstverständlichkeit - find ich persönlich auch besser... :thumbup:
LG Phoenix :andreah

*dorothee*

unregistriert

7

Dienstag, 5. Oktober 2010, 13:32

Zitat

Weiterhin möchte ich behaupten, dass es moralisch geboten ist, etwas Schlechtes zu verhindern, wenn dies in unserer Macht steht, ohne dass wir etwas von vergleichbarer moralischer Bedeutung opfern müssen.


ich denke, damit begründet er die Pflicht...
Ich setze das mit Selbstverständlichkeit gleich.

lg, doro

TaMu

unregistriert

8

Samstag, 9. Oktober 2010, 21:33

der text ist toll



und für mich ist es auch selbstverständlich zu geben was ich nicht mehr brauche- wenn jemand anderes darüber glücklich ist und ihm geholfen wird dadurch!

denn ich weiss wies einem gehen kann wenn man keine ahnung hat wie man die nächsten 5 tage sein kind satt bekommen soll..

Schmetterling

unregistriert

9

Sonntag, 10. Oktober 2010, 14:36

Ich finde den Text auch super, allerdings würde ich den Begriff "Pflicht" ersetzen durch den Begriff "instinktive Verantwortung" (Liebe wär noch treffender). Pflicht hört sich so nach Muss an, nicht nach Freiheit. Wenn du jemandem, der am Ertrinken ist, instinktiv hilfst, indem du ins Wasser springst und ihn rettest, hast du keine Zeit mehr nachzudenken. Zwischen dem Sehen der Gefahr und der Handlung ist kein Intervall , wo das Denken in Aktion tritt. Du handelst unmittelbar. Es ist natürliche Intelligenz, die da handelt (Ausnahmeregel: Leute die selber nicht schwimmen können, können natürlich auch keinen Ertrinkenden retten - da würde die natürliche Intelligenz zuerst für einem selbst signalisieren: Achtung Lebensgefahr - so wie es in der Tierwelt auch ist).

Diese instinktive Verantwortung ist aber bei vielen Menschen, die helfen könnten, nicht aktiv, wenn sie z.B. einen Hungernden auf der Straße sehen - sie laufen achtlos dran vorbei.

Kerstin

unregistriert

10

Sonntag, 10. Oktober 2010, 15:11

Schmetterling, ich wollte mich zwar nicht äußern, aber in letzter Zeit steigt bei mir leicht der Blutdruck, wenn ich so manches von Dir lese.

Ich finde, Deine Beiträge kommen immer häufiger belehrend, besserwissend und auch teilweise aggressiv rüber.

Ich weiß nicht welche unglücklichen Lebensumstände Dich so negativ werden ließen aber ich wünsche Dir, dass Du bald Deine Mitte wieder findest.

Lg Kerstin

Schmetterling

unregistriert

11

Sonntag, 10. Oktober 2010, 15:40

O Gottogott, ich wollte weder belehren noch fühle ich mich besserwisserisch. Ich weiss nicht warum das so ist, dass es bei Euch so ankommt. Meine Absicht ist es jedenfalls keineswegs, mit keiner Spur. Ich teile mich nur mit, und zwar was mir spontan einfällt. Das hat nicht einmal was mit meinen persönlichen Lebensumständen zu tun. Den obigen Beitrag habe ich aus einer positiven und unbeschwerten Grundstimmung herausgeschrieben.

Leider sehe ich im obigen Beitrag von mir nichts, was besserwisserisch, negativ, aggressiv oder belehrend sein könnte. Das ist es auch nicht. Der Beitrag ist ganz neutral. Ich forsche viel, aber anscheinend ist es nicht angebracht, es hier mitzuteilen. Ich habe so was noch nie erlebt wie hier. Auch woanders schreibe ich solche Texte, und die Leute und auch meine Freunde reagieren ganz anders drauf. Sonst müssten es auch andere woanders so oder ähnlich empfinden.

Ich habe das Gefühl, irgendwas hier hat eine Kettenreaktion gegen mich ausgelöst und vieles was ich schreibe, wird von vornerein als negativ aufgefasst, wodurch sich Vorurteile vorneweg in bezug auf meine Person aufgebaut haben - keine Ahnung.

Natürlich wenn das so ist und es so hier ankommt, dann wird es Zeit, dass ich mich überhaupt nicht mehr äußere. Ich habe auch keine Lust alles, was in den falschen Hals kommt oder falsch aufgefasst wird, ständig zu berichtigen, zu rechtfertigen, mich zu erklären, so und so hab ich es nicht gemeint. Ein Trauerspiel (oder Glücksspiel nun, je nachdem, wer es gerade wie auffasst) was draus geworden ist. Ich ziehe mich zurück. Dann ist Euch geholfen.

Schmetterling

unregistriert

12

Sonntag, 10. Oktober 2010, 16:21

Auf eine Frage von Dir Kerstin: Ich habe zuviel Leid in der Welt gesehen, zuviel Gewalt, und konnte mich innerlich nicht abgrenzen, so dass es mir nichts ausgemacht hat. Es hat mich wie eine Wucht getroffen. Daraufhin sind in mir grundlegende Fragen entstanden: Kann es enden - können Leiden und Gewalt in der Welt genauso wie in mir selbst enden? So dass wir alle glücklich miteinander leben können ? Das genau ist es, warum ich heute so bin wie ich bin. Dann forsche ich , wie gesagt, viel, und teile es dann natürlich, wenn ich was entdecke dabei, mitunter begeistert wie ich davon bin, denn es ist faszinierend, was man dabei alles entdeckt, auch anderen Leuten mit oder schreibe es in meine Unterlagen auf. Ich erfosche die Ursachen des Leidens, ich erforsche das Denken, das ist mein ganz großes Interesse, und es ist meine eigentliche Lebensaufgabe neben vielem anderem im täglichen Leben. Und es war und ist nicht unfruchtbar, denn ich sehe einen Ausweg aus dem Dilemma, aus der Sackgasse. Diese Forum hier ist der verkehrte Platz dafür, diesbezüglich was mitzuteilen, das hab ich eingesehn.

gaestin

Profi

Beiträge: 1 157

Danksagungen: 45

Geschlecht: Weiblich

13

Sonntag, 10. Oktober 2010, 17:29

Kerstin

Kerstin, geht nicht nur Dir so. Mir geht es ganz genau so, wollte nur nichts sagen.
Beruf: Mutter steht in Schmetterlings Profil. Eigentlich ist das etwas Schönes.
Schmetterling, ich wollte mich zwar nicht äußern, aber in letzter Zeit steigt bei mir leicht der Blutdruck, wenn ich so manches von Dir lese.

Ich finde, Deine Beiträge kommen immer häufiger belehrend, besserwissend und auch teilweise aggressiv rüber.

Ich weiß nicht welche unglücklichen Lebensumstände Dich so negativ werden ließen aber ich wünsche Dir, dass Du bald Deine Mitte wieder findest.

Lg Kerstin

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