Unicef

Unicef in Deutschland

Unicef ist das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen. Es wurde im Jahr 1946 ins Leben gerufen und ist seither ein entwicklungspolitisches Organ der Vereinten Nationen.

Unicef International hat seinen Sitz in New York, dem Sitz der Vereinten Nationen, der UN.

Unicef National: Die nationalen Komitees von Unicef wirken als sog. Nichtregierungsorganisationen. Sie haben eine vertragliche Bindungs zu UNICEF und sind von den jeweiligen Regierungen anerkannt.

Unicef Deutschland: Das deutsche Unicef-Komitee hat seinen Sitz in Köln. Es wurde im Jahr 1953 gegründet.

Unicef Studie: Deutschland liegt für Kinder nur im Mittelfeld

Eine Studie des UN-Kinderhilfswerks Unicef aus dem Jahr 2007 arbeitete heraus, dass die Lage der Kinder in Deutschland im Vergleich zu anderen Industrienationen nur durchschnittlich ist.

Die Situation der Kinder wurde anhand von 6 Bereichen verglichen:

  • materielle Situation
  • Gesundheit
  • Bildung
  • Beziehungen zu den Eltern und Gleichaltrigen,
  • Lebensweise und Risiken
  • eigene Einschätzung der Kinder und Jugendlichen.

Deutschland findet sich beim Vergleich der 25 untersuchten Länder auf Platz 11. Schweden, Norwegen und Finnland stehen an der Spitze der Statistik. Die Niederlande und Tschechien belegten ebenfalls sehr gute Plätze.

Zusammenfassend die Ergebnisse aus der Perspektive Deutschlands:

  • Als Anlass zur Besorgnis gebend bewertet die Studie das Risikoverhalten Jugendlicher in Deutschland. Deutschland belegt hier vor Großbritannien den vorletzten Platz. Die Gründe sind im Rauchen und Alkoholkonsum der deutschen Jugendlichen zu finden. In Deutschland rauchen mehr als 16 % der 15-Jährigen mindestens einmal pro Woche - in keinem anderen Land rauchen so viele junge Menschen.
    Hinsichtlich ihres Alkoholkonsums geben in Großbritannien fast ein Drittel der befragten Kinder und Jugendlichen an, bereits zweimal oder öfter betrunken gewesen sein. In Deutschland sind es etwa 17 % – in Frankreich und Italien unter 10 %.
  • Außerdem beklagten etwa 40 % der befragten Kinder und Jugendlichen, dass ihre Eltern mit ihnen nicht richtig redeten. Das ist für diesen Bereich der letzte Platz für Deutschland im internationalen Vergleich. Die Vorsitzende von Unicef Deutschland kommentierte diese Punkte wie folgt: "Das sind gerade Faktoren, die über das Wohlbefinden eines Kindes fast mehr sagen als die Tatsache, wie viel Geld man in den Händen hat."
  • Erschreckend niedrig sind die Erwartungen, mit denen deutsche Jugendliche ihre berufliche Zukunft sehen. Mehr als 30 % der 15-Jährigen gehen davon aus, keine qualifizierte Arbeit zu finden. Deutschland liegt bei diesem Vergleichspunkt auf Platz 20 von 25 Industriestaaten.

Die Bereitschaft Deutschlands in den Bereich der frühkindlichen Betreuung zu investieren, liegt im inter-nationalen Vergleich auf dem letzten Platz.

Also: Die Wirtschaftsleistung eines Landes ist nicht alleinentscheidend für die Lage der Kinder. Tschechien schneitet hinsichtlich der materiellen Lage von Kindern besser ab als reichere Staaten wie Deutschland, Italien, Japan oder die USA.

Um hier gegen zu steuern müssten mehr Ganztagsschulen, mehr Angebote für frühkindliche Betreuung und eine Einbeziehung der Kinder in die Politik durch Kinder- und Jugendräte geschaffen werden.

Im einzelnen fordert Unicef, dass

  • Kinderkrippe, Kindergarten und Schule bedürfnisorientiert für Kinder und Eltern organisiert werden müssen: Schaffung von Ganztagsschulen, gezielter Ausbau von Bildungs- und Förderangeboten für benachteiligte Familien.
  • Bildungs- und Förderangebote zur Integration von Kindern nichtdeutscher Herkunft und weiteren Kindern aus benachteiligten Familien ausgebaut werden.
  • die städtischen Kommunen der Ghettobildung entgegenwirken und jene Eltern halten, die jetzt mit ihren 4- bis 7-Jährigen Kindern die Städte verlassen. Nur wenn Kinder unterschiedlicher ethnischer Hintergründe gemeinsam lernen können, so Unicef, lässt sich das Auseinanderdriften der Gesellschaft bremsen.

die Politik ihren zersplitterten, an einzelnen Ressorts orientierten Ansatz aufgibt und Kinder in den Mittelpunkt stellt. Die Aufnahme der Kinderrechte in die Verfassung und ein Kinderrechtsbeauf-tragter auf Bundesebene könnten, so Unicef, diese Politik stärken.

Positive Ergebnisse gibt es nach der Studie allerdings für Deutschland auch. Zu nennen ist, dass die Aggressivitätsrate unter Kindern und Jugendlichen vergleichsweise gering ausfällt.

Unicef: Jedes sechste deutsche Kind in Deutschland ist arm

Deutschland spaltet sich immer mehr in arm und reich, die sozialen Unterschiede werden größer. Nach dem "Bericht zur Lage der Kinder in Deutschland", herausgegeben von UNICEF am 26.05.2008, ist mehr als jedes sechste Kind von Armut betroffen.
Kinder in Ein-Eltern-Familien, in Familien mit ausländischer Hintergrund oder aus  Familien mit vielen Kindern sind besonders stark von Armut bedroht.
Die Bundesfamilienministerin will mit einer Kombination aus einem nach Kinderzahl gestaffelten Kindergeld, einem erweitertem Kinderzuschlag und dem Ausbau der Betreuung für unter Dreijährige die Armut der Kinder in den Familien bekämpfen. Mittel wie Mindestlohn und Lohnuntergrenzen werden jedoch abgelehnt, da sie Arbeitsplätze vernichteten und lediglich auf eine Person ausgerichtet seien.

Die Unicef-Studie wurde für das Bundesfamilienministerium erstellt. In Prozentzahlen ausgedrückt sind  17,3 Prozent der Kinder und Jugendlichen einem Armutsrisiko ausgesetzt. Und Kinder allein erziehender Eltern sind zu 40 % von Armut betroffen.  

Das höchste Armutsrisiko liegt bei Kindern und Jugendlichen, wenn beide Eltern von Arbeitslosigkeit betroffen sind oder Hartz-IV-Leistungen erhalten, also ALG 2 .

Die Bundesregierung jedoch beurteilt das Armutsrisiko abweichend von der Unicef-Studie. Die Bundesfamilienministerin erklärte, dass Deutschland sich bei der Armutsbekämpfung im Vergleich mit anderen EU-Ländern im oberen Drittel befände. Sieht man diese Position aber vor dem Hintergrund der ausschwingenden Konjunkutr und der guten Arbeitsmarktlage, so sei dies jedoch nicht ausreichend.
In dem Unicef-Bericht, der auf bekannte Familienforscher zurück geht, wird angeprangert, dass Deutschland trotz erheblicher Aufwendungen nur im Mittelfeld in der Chancenförderung von Kindern liege. Es wachse das Tal zwischen abgesicherten Kindern und denen, deren Alltag durch Mangel und Ausgrenzung geprägt sei. Arme Kinder häten de Fakto  geringere Bildungschancen, häufiger chronische Krankheiten und Übergewicht.
Kinder sollen nun - wie oben angegeben - gezielt finanziell gefördert werden. Zudem werden weitere daran gearbeitete, dass die Vereinbarkeit von Beruf und Familie besser umgesetzt werden kann.

Im nationalen Armutsbericht der Bundesregierung 2008, dessen Entwurf Bundesarbeitsministerium vor einigen Tagen präsentiert hatte, war die Kinderarmut niedriger eingeordnet worden. Nach dem Armutsbericht der Bundesregierung ist nur etwa jedes achte Kind in Deutschland arm. Der Armutsbericht der Bundesregierung gründet sich auf Daten, die eine Vergleichbarkeit in der EU ermöglichen.  Die Unicef-Studie nutzt hingegen eine breitere Daten-Grundlage, in die auch diese europäischen Daten einfließen.
Die Familienministerin hält den Streit um die statistik jedoch für "absurd". Im Vordergrund müsse die Forschung nach den Ursachen der Kinderarmut stehen.


In der Ressortabstimmung des Armutsberichts wolle sie das von ihr geforderte gestaffelte Kindergeld in den Fokus stellen. Kinderreichtum werde häufig mit dem Abrutschen in die Armut gleichgesetzt. Ein Drittel aller Armen schaffe nach spätestens zwei Jahren den Sprung aus der Armut, sagte von der Leyen. Es müsse aber auch verhindert werden, dass Familien wegen eines weiteren Kindes Armut riskierten. Einen gesetzlichen Mindestlohn lehnte sie erneut ab. Lohnuntergrenzen seien auf eine Person ausgerichtet und zerstörten Arbeitsplätze.

Quelle: unicef.de